Archive for April, 2008

Räder kochen?

Mittwoch, April 23rd, 2008

Nachdem der 15. Wiener Gemeindebezirk in der letzten Zeit ziemlich mit interessanten alternativen Projekten (i:da, Pankahyttn, …) boomt, gibt es schon wieder ein neues interessantes Projekt: Die „Bikekitchen“.

In der Goldschlagstraße 8 haben sich ein paar Menschen zusammengetan um einen Raum zu schaffen, der dazu genutzt werden kann, sein Rad zu reparieren, sich aus alten Rädern neue Räder zusammenzubauen (aber keine Normalen -> Choppers, Tall Bikes, …) oder auch nur um gemütlich ein Bier zu trinken. Und das in einem sehr politischen Kontext. Ich zitiere die Homepage: „Wichtige weitere Schlagworte: ANTIFA, Kollektiv, Plenum, Konsens, Fuhrpark, (Raum)Gestaltung, DIY, Soli, Schablonen/Stencil, Dumpstern/Kontainern, Bar, Beisl, Cafe, Fachliteratur, Archiv, Fahrradfetischismus, Bike Art, Bike Fun, Bike Kill, Joustings, Bike Polo, Nachtfahrten, Demoperformance, Aktionen, Screen Printing, Workshops, Ausflüge, Karawanen, Filme u. Videos schaun und machen, Hörspielabende, Schrott sammeln, Lesekreis, Konzerte, Auflegerei, Experimente aller Art, …“.

Drübergestolpert bin ich über die Critical Mass-Homepage, weil die letzte CM nämlich einen Abstecher zur Bikekitchen genommen hatte (was ich aber gar nicht mitbekommen hatte). Nachdem ich das für eine voll nette Idee halte, hab ich dort letztes Samstag gleich mal vorbeigeschaut und einen Lokalaugenschein gemacht. Die dort anwesenden Menschen waren sehr überrascht, auf einmal fremde Menschen zu sehen, waren aber gleich sehr angetan und wir haben gemütlich ein Bier getrunken und geplaudert.

Es war sicher nicht mein letzter Besuch in der Bikekitchen. Ich würde mich freuen, auch LeserInnen meines Blogs dort zu treffen 🙂

-> Bikekitchen

Ein Tag, so schön wie gestern

Samstag, April 19th, 2008


Die Band

Alle die nicht auf der gestrigen Critical Mass waren, haben wirklich was versäumt. Sie war genau so, wie eine Critical Mass sein soll. Bunt, laut, spontan und lustig. Losgegangen ist es wie jeden Monat am Margaretenplatz. Dort beim versammeln schaut die Menge immer viel kleiner aus, als wenns dann wirklich losgeht. Nach dem losfahren die erste Überraschung: Eine Band fährt mit!

Und die haben die ganze Zeit brav vor sich hin musiziert. Eine tolle Idee, ich hoffe wir werden sie noch öfter dabei haben. Die Route führte die Wienzeile hinein, über den Ring zum Heldenplatz, wo wir kurz die Freiraum-Demo beklingelt haben, die dort (mit sehr anstrengendem Techno) den Rasen befeierte. Für mich nicht sehr einladend. Naja.


CM am Heldenplatz

Weiter gings über Ballhausplatz – Löwelstraße – Ring – Kai – Salztorbrücke – Lände – Roßauerbrücke – Hörlgasse – Universitätsstraße – Alser Straße – Kinderspitalgasse – Lazarettgasse zum Gürtel Richtung Westbahnhof. Dort haben wir uns mal einige Zeit aufgehalten und haben die breite Fahrbahn für uns genossen. So viel Fläche, die sonst für so wenig Fahrzeuge zur Verfügung steht. Mit so kleine Einheiten wie Rädern lässt sich der Raum einfach viel effizienter nutzen. Ausserdem ist es viel leiser (obwohl wir uns Mühe gegeben haben, laut zu sein), gesünder und kommunikativer. AutofahrerInnen können ja nur hupen (haben wir gestern oft genug gehört), RadlerInnen können klingen, singen und lachen.


Viel Platz am Gürtel

Den Gürtel gings ziemlich lang entlang, bis wir dann spontan in die Goldschlagstraße abgebogen sind – gegen die Einbahn, aber das Fahren gegen die Einbahn ist dort für RadlerInnen freigegeben. Allerdings hatte wohl niemand mit ca. 300 Leuten gerechnet gehabt 🙂 Über Pelzgasse – Felberstraße gings wieder zurück zum Gürtel, wo wir auf der Kreuzung Mariahilferstraße#Gürtel Etwas wiederholt haben, womit wir auf der Jänner-Critical Mass schon Spaß hatten: Ein Ringelspiel (zwischen Autos durch). Nach so drei, vier Umrundungen haben wir den Autoverkehr wieder Autoverkehr sein lassen und sind in die Mariahilferstraße abgebogen. Dort haben wir uns von den vielen PassantInnen befeiern – oder zumindest bestaunen lassen. Mit guter Musik auf dem Rad tanzend sind wir langsam dem Ring entgegengeschwebt. Die armen AutofahrerInnen, die in ihren Schüsseln gefangen sind und wahrscheinlich noch nicht einmal die Musik gehört haben … Vermutlich sollten wir sie eher bemitleiden als bekämpfen. Ob dann mehr auf sanftere Verkehrsmittel umsteigen würden?


Das war unsere Route

Über Babenbergerstraße – Ring sind wir wieder auf den Heldenplatz gekommen, wobei wir uns diesmal länger aufgehalten haben, indem wir klingelnd, jubelnd, singend um das Heldenplatzdenkmal gekreiselt sind. Die Band ist inzwischen abgestiegen und hat sich auf das Denkmal gestellt, wie auch viele RadlerInnen, die dort ihre Räder präsentiert haben. Der Kreisel wurde immer dünner, und immer mehr Gruppen bildeten sich, die mit einander plauderten. Und dies war schließlich auch das Ende der Critical Mass – alle waren müde und hatten eine Pause verdient. Insgesamt sind wir ca. 15km gefahren und waren dafür zwei Stunden unterwegs.

Tja, ich freu mich schon auf nächsten Monat. Haltet euch Freitag den 16. Mai frei … Treffpunkt ist wieder Margaretenplatz, 16:30. Infos gibts wieder immer auf http://www.criticalmass.at. Und wers gar nicht erwarten kann, die nächste Critical Mass in Österreich ist bereits nächste Woche in Linz (Freitag, 25. April, 16:30, Hauptplatz).

Als Schluß ein kurzes Video, auf dem auch die Band zu sehen ist:

Das Kartenmaterial des Übersichtsplans kommt übrigens aus dem Open Streetmap Projekt.

Rad-Highways

Dienstag, April 15th, 2008

Christoph Chorherr hat auf seinem Blog eine Idee für eine Nordost-Tangente für den Radverkehr online gestellt und dies mit der Forderung für Rad-Highways verknüpft. Hier meine Gedanken dazu:

Ich unterstütze die Forderung, dass es Rad-Highways durch die Stadt geben soll, vollkommen. Ich würde auch fordern, dass auf diesen Highways gewisse Mindestanforderungen an die Qualität gesetzt werden. Diese sollten unter anderem Mindestbreite, Mindestkurvenradien und maximale Ampelwartezeiten umfassen. Meiner Ansicht nach gibt es in Wien derzeit nur zwei Radwege, die Anspruch auf einen Rad-Highway erheben könnten: Der Donaukanal-Radweg und streckenweise der Gürtelradweg.

Den Wiental-Radweg als Wiental-Highway zu bezeichnen (außer es ist damit der zukünftige Radweg im Wientalbecken gemeint) find ich dagegen grenzwertig. Die vielen Kurven und Engstellen beinhalten hohes Konfliktpotential mit FußgeherInnen, die Kreuzungssituationen mit dem Autoverkehr stellen durch ihre Führung Schikanen dar und haben langen Ampel-Wartezeiten. Was den Wiental-Radweg entgültig abwertet ist, dass dieser knapp vor dem Naschmarkt endet und man entweder über die Gußhausstraße oder die Margaretenstraße/Operngasse ausweichen muss.

Die Gußhausstraße wäre gar nicht so schlecht für den Radverkehr geeignet, allerdings ist dorthin ein Geländeanstieg zu überwinden und der Umweg macht den Weg unattraktiv. Ausserdem sind in der Gußhausstraße keine Radfahranlagen vorhanden. Der Weg über die Margaretenstraße stellt einen weiten Umweg dar und bietet hohes Unfallpotential, vor allem stadtauswärts. Ich finde der Mehrzweckstreifen in der Margaretenstraße ist ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Der Verkehr ist vor allem nachmittags sehr dicht, ein Überholen langsamer RadfahrerInnen oft nur schwer möglich. Von der Parkspur droht die plötzlich aufgehende Autotür, von der Fahrspur spontan abbiegende AutofahrerInnen.

Ich hab hier eine vermutlich sehr persönliche Karte der in Wien existierenden Rad-Highways und deren notwendigen Ergänzungen erstellt. Auch die als gut eingetragenen Radwege sind bei weitem nicht optimal, sie erlauben aber immerhin hohe Geschwindigkeiten bei relativ geringem Konfliktpotential. Die orangenen Radwege sind von Highways weit entfernt. Die rot markierten Bereiche erfordern oft lange Umwege oder nötigen zur Mitfahrt im dichten Autoverkehr.

Ein paar dieser Bereiche möchte ich konkret hervorheben:
* Getreidemarkt – Naschmarkt – Karlsplatz
Der Radweg vom Museumsquartier zum Karlsplatz endet sehr spontan vor dem Audimax der TU bei der Lehargasse und macht es nötig sich bei vier Spuren mit dichtem Autoverkehr hindurchzumischen. Etwas, dass vor allem Kindern nicht zugemutet werden kann und auch viele Erwachsene abschrecken dürfte. Es müsste wohl eine Fahrspur geopfert werden, aber hier könnte recht einfach eine attraktive Verbindung geschaffen werden. Noch schlimmer in der Gegenrichtung. Es gibt zwar in der Nibelungengasse einen Radweg, allerdings kostet die Benützung dessen viel Ampelwartezeit (zumindest wenn man von der TU kommt). Die Alternative derzeit ist der Weg durch den Bärenmühl-Durchgang und die Benutzung des Gehsteiges entlang des Getreidemarktes bis zur Gumpendorferstraße (oder gleich bis zur Mariahilferstraße). Anbei ein Plan, wie ich mir einen Alternativvorschlag vorstelle. Der derzeit existierende Mehrzweckstreifen sollte zu einem Zweirichtungsradweg umgebaut werden und um den Spitz Wienzeile/Operngasse herumgeführt werden. Dort in der direkten Verlängerung eine Radquerung und fertig. Natürlich ist auch eine Abzweigung zum Wientalradweg dabei.

* Südgürtel
Erst kürzlich hab ich den Südgürtel erforscht und hab schmerzlicherweise festgestellt, dass der Radweg dort einfach im Nichts endet. Mit etwas Suchen findet man einen Radweg parallel, dieser ist aber nicht als Highway geeignet.

* Mariahilferstraße
Autos raus. Straßenbahn und Radverkehr rein.

Ich bin davon überzeugt, dass der Anteil des Radverkehrs in Wien explodieren würde, sobald diese Rad-Highways (und dazu auch ein passables Netz dazwischen) gebaut würden. Es bleibt zu hoffen.

Was wäre, wenn … die U2 nicht gebaut worden wäre?

Freitag, April 11th, 2008

Es ist in gewisser Weise richtig, dass eine Parallelführung der Linien 21 und U2 nicht sinnvoll ist. So wird die Linie U2 wohl noch für Jahrzehnte (abgesehen der seltenen Veranstaltungen im Ernst-Happel-Stadion) heiße Luft durch die Gegend führen. Es ist sicher richtig, dass eine U-Bahn schneller unterwegs ist als die Straßenbahn, aber für welchen Preis? Eine Reorganisation des Oberflächenverkehrs wäre vergleichsweise günstig gekommen und hätte eine wesentlich höhere Flexibilität ermöglicht. Auch die jährlichen Betriebskosten wären nur ein Bruchteil des teuren U-Bahn-Betriebs. Mit beschleunigten Ampelschaltungen und optimiertem Streckenverlauf sind im Straßenbahnbetrieb vergleichbare Geschwindigkeiten möglich, vor allem durch die verringerten Umsteigewege. Die Haltestellen können für längere Züge gebaut werden um zu erwartende Fahrgaststeigerungen aufzufangen.

Ich möchte hier einen Vorschlag bringen, wie der Straßenbahnbetrieb in der Umgebung des Praters hätte aussehen können, wenn ein paar kreative Köpfe am Werk gewesen wären und weniger Interessen der Bauindustrie und AutofahrerInnen-Klubs. Der U-Bahn-Bau wird ja vor allem von diesen Organisationen gefördert, da diese viel Geld an den Bautätigkeiten lukrieren können, bzw. die Straße frei für den Autoverkehr bekommen.

Die Donaustadtbrücke wird zu einer Strassenbahnbrücke ausgebaut, ein Linienbündel fährt darüber und bindet die Donaustadt an. Bei Stadlau teilen sich die Linien auf und erschließen verschiedene Bezirksteile. Die Linien N und 18 werden durch den Prater verlängert um das Stadion und die zukünftige WU-Wien besser anzubinden. Die Linie 11A ist an bereits ihrer Kapazitätsgrenze und wird daher auf Straßenbahn umgebaut und verlängert.

Linienänderungen
Hier die detailierten Linienänderungen meines Vorschlages:
Linie 18 (blau)
Die Linie 18 wird von der Schlachthausgasse durch den Prater und über die Donaustadtbrücke verlängert und erschließt dort Stadlau – Hirschstetten – Breitenlee. Damit werden die Bezirke Donaustadt und Landstraße mit einem effizienten Verkehrsmittel verbunden. Dies ist auch die bevorzugte Strecke vom zukünftigen Hauptbahnhof zum Stadion.

Linie 21 (orange)
Die Linie 21 behält den Großteil ihrer Strecke, fährt nach dem Stadion allerdings über die Donaustadtbrücke weiter und erschliesst Stadlau – Aspern – Essling – Groß-Enzersdorf. Damit wird die Donaustadt effizient an das Wiener Zentrum angebunden. Eine mögliche Verlängerung zur EM-Fanmeile wäre möglich um eine umsteigefreie Verbindung zu schaffen.

Linie N (lila)
Die Linie N wird durch den Prater zur WU-Wien, Messe und Stadion verlängert. Dies ergibt eine zusätzliche Verbindung ins Zentrum.

Linie 11 (grün)
Die Linie 11A wird zur Straßenbahnlinie 11 umgebaut und über Stadion zum Praterkai verlängert. Dies verbindet das Stadion mit den nördlichen Bezirken.

Stadionverkehr
Im Stadionverkehr bedienen die Linien dann folgende Relationen:
Linie 21: Praterstern (U1 – Zentrum) – Schwedenplatz (U4 – Spittelau – Heiligenstadt) – EM Fanmeile Schottentor; Donaustadt
Linie 18: Schlachthausgasse (U3 – Zentrum – Westbahnhof bzw. U3 – Simmering) – Südbahnhof/Hauptbahnhof; Donaustadt
Linie N: Landstraße – Schwedenplatz (U1 – Zentrum)
Linie 11: Vorgartenstraße (U1 – Kagran) – Handelskai (U6 – Floridsdorf) – Heiligenstadt; Praterkai (S-Bahn)
Linie 791: Landstraße – Wien Mitte (U4 – Karlsplatz – Hütteldorf)

1 Führt über die Strecke N im Prater, außerdem müssen in der Marxergasse Gleise verlegt werden (gestrichelt im Plan).

Plan

Dies alles hätte zu einem Bruchteil der Kosten der U2 gebaut und betrieben werden können. Schade für diese vertane Chance.