Archive for Mai, 2008

Grüner Verkehr

Freitag, Mai 23rd, 2008

Diesen Artikel hab ich für den Schmelztiegel, der Zeitung der Grünen Rudolfsheim-Fünfhaus verfasst.

Derzeit in aller Munde: Die hohen Ölpreise. Etwas, das uns als ökologische und soziale Partei nicht stört sondern freut, da die günstigen Ölpreise der letzten Jahrzehnte mitschuld an vielen problematischen Entwicklungen sind. Die günstigen Transportkosten helfen vor allem den großen Firmen, da es billiger ist ein großes Zentrallager zu haben und von dort alle Transporte durchzuführen. Dies kostet in den Regionen Arbeitsplätze und verursacht hohe Emissionen. Gefördert wird das noch von den Ländern, die die Transportwege (v.a. Autobahnen) zu extrem günstigen Konditionen anbieten, aber hohe Errichtungs-, Wartungs- und Gesundheitskosten in Kauf nehmen müssen.

Rund um die Städte hat diese Entwicklung zu starker Zersiedelung geführt. Viele ArbeitnehmerInnen pendeln jetzt aus ihrem Wohnort im Grünen zu ihrem Arbeitsplatz in der Großstadt. So schön so eine Wohnung im Grünen sein kann, so unökologisch und unsozial ist diese Lebensweise. Die hohen Erschließungskosten (Straße, Kanal, Elektrizität, …) werden zu großen Teilen von den Gemeinden gezahlt, die spätestens dann in finanzielle Schwierigkeiten kommen, sobald die notwendige Erschließung sanierungsbedürftig ist. Die Wirtschaft des Ortes leidet aber besonders unter dieser Lebensweise, da Einkauf und Freizeit meist an anderen Orten getätigt werden.

Kann ein Besuch in einer Shopping City wirklich einen Stadtspaziergang ersetzen? Eine gewisse Dichte an Menschen und Bebauung ist notwendig, damit interessanter, urbaner Raum entsteht. Ganz wichtig ist, dass Frei- und Grünräume in der Stadt errichtet werden, damit auch für Erholung gesorgt ist. Derzeit wird ein großer Teil des kostbaren öffentlichen Raumes für Autos genutzt, sowohl für fließenden als auch ruhenden Verkehr.

Eine Trendumkehr ist möglich. Bereits jetzt ist Wien attraktiv genug, dass viele Leute auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umsteigen. 2007 ist erstmals die Anzahl der angemeldeten PKW gesunken. Damit Wien lebenswerter wird, muss der öffentliche Raum den Menschen zurückgegeben werden.

Wir fordern den Einsatz der folgenden Mittel:

  • Weitere Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung, bei gleichzeitigem Rückbau von frei werdenden Parkplätzen um Platz für Menschen zu schaffen.
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrs (Straßenbahn, Bus) und der Radverkehrswege um das Mobilitätsbedürfnis der Menschen zu befriedigen. Stopp des U-Bahn-Baus außerhalb der Zentren, der nur Platz für PKW-Verkehr schafft und die Menschen in dunkle Tunnels zwingt.
  • City-Maut an der Stadtgrenze, um den Verkehr aus dem und in das Umland von Wien zu verringern. Dies wird sowohl in der Stadt als auch in der Umgebung zu Verkehrsreduktion führen und dadurch die lokale Wirtschaft ankurbeln.
  • Stopp des Autobahnausbaus um die weitere Entwicklung des Transitverkehrs einzudämmen. Dies wird das Wachstum der großen Konzerne bremsen und klein- und mittelständischen Unternehmen neue Chancen geben.
  • Kein Bau der dritten Landebahn am Flughafen Schwechat um einer zusätzlichen Lärmbelastung Wiens entgegenzuwirken.

Weitere Infos im Verkehrskonzept der Wiener Grünen.

Adieu 21er!

Samstag, Mai 10th, 2008

Jetzt ist es traurige Realität. In den Reigen der Straßenbahneinstellungen in Wien hat sich eine weitere Linie eingereiht. Diesmal die Linie 21, mehr schlecht als recht von der nigelnagelneuen Erweiterung der U-Bahn-Linie U2 ersetzt. Natürlich ist die U-Bahn schneller unterwegs. Nur bringt dies den Fahrgästen nichts, wenn sie zuerst 500m zur nächsten U-Bahn-Station gehen müssen um dann eine kurze Strecke zurückzulegen. Dafür dürfen sich die AutofahrerInnen unter uns freuen, dass die Ausstellungsstraße neben dem Prater gleich nach der EM zu einer neuen Autorennstrecke umgebaut wird.

Seit Beginn des U-Bahn-Baus in Wien sind Straßenbahnlinien massiv von Einstellungen bedroht. Was überbleibt sind meist sterbende Einkaufsstraßen und Auto-dominierte Straßenzüge. Ob es wirklich für die Wirtschaft gut ist, wenn der Kleinhandel stirbt und stattdessen die Einkaufszentren mit dem immer gleichen Geschäften florieren (wobei die meisten Einkaufszentren eh nicht gut gehen)?

Stattdessen werden die Fahrgäste in dunkle Tunnels unter der Stadt gezwängt, in denen die Stadtgestalt nicht zur Geltung kommt. Immerhin kommen jedes Jahr viele Tausend (oder sogar Millionen?) TouristInnen nach Wien um die Stadt zu sehen – auch ich muss bestätigen, dass diese wirkliche sehenswert ist. Aber für die Stadtentwicklung ist halt vorrangig, dass der (Motorisierte Individual) Verkehr flüssig fließt, was sich auch an den mangelnden Ampelbeeinflussungen ablesen lässt. So langsam wie in Wien sind Straßenbahnen und Busse nirgends (zumindest nicht in Mitteleuropa) unterwegs.

Die Oppositionsparteien im 2. Bezirk – vorrangig die Grünen – haben in den letzten Jahren und Monaten alle Register gezogen um die Einstellung zu verhindern. Immerhin haben die Grünen im letzten Monat ca. 8000 Unterschriften gesammelt. Natürlich konnten sie nichts gegen die Sturheit der sozialdemokratischen Stadt- und Bezirksregierung ausrichten, die vor allem eines kann: Verschlechterungen schön reden.

Durch den einsetzenden Autoboom in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts sind in vielen europäischen Städten die Straßenbahnnetze eingestellt worden. Die Argumentation basierte meist darauf, dass diese den Autoverkehr behindern würde. In dieser Zeit war man sich über die Nachteile des Autoverkehrs noch nicht im klaren – Unökologisch, Luft verschmutzend, gefährlich. Inzwischen ist man in den meisten Städten wieder klüger geworden und errichtet wieder Straßenbahnen. Modern, hell, schnell – das sind die neuen Schlagworte. Meist werden die Straßenbahnlinien auf Rasengleisen errichtet, um in die tristen Straßenlandschaften ein paar Flecken natürliches Grün einzubringen. Linz, Graz, Innsbruck als Beispiele im eigenen Land – Paris, London, Berlin als potentielle internationale Vorbilder (mehr dazu auf www.tramway.at).

Aber Wien ist anders.

Noch ein guter Text zur Nachlese: